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Räume kneten. Kunstvermittlung als plastischer Prozess / 2011

Vortrag, gehalten in: Kunst in der Vermittlung, Ringvorlesung an der Universität Oldenburg, 2011

Vortrag als Video:Öffnet externen Link in neuem Fenster http://lecture2go.uni-hamburg.de/veranstaltungen/-/v/11521

Stadt im Fluss. Zeitgenössische künstlerische Positionen zu innerstädtischer Mobilität / 2011

Stadt im Fluss

Wie bewegen sich Menschen durch den Raum? Welche Beziehung nehmen sie untereinander auf? Welche neuen Räume werden durch ihre konkreten körperlichen Aktionen und Interaktionen konstituiert? Wie verändern die Formen der Fortbewegung das Empfinden für die Umwelt? Wie verändert sich die Umwelt durch die Fortbewegungsmittel?

Künstler haben sich quer durch die Kunstgeschichte immer wieder mit diesen elementaren Fragen von Raum, Körper und Bewegung beschäftigt. An ihren Arbeiten ist ein sich über die Epochen veränderndes Zeit- und Raumempfinden ablesbar. Darüber hinaus sind sie in der Lage auf ihre spezifische Art, nämlich kraft der Bilder, Problemstellungen zu formulieren und gesellschaftliche Diskussions- und Gestaltungsprozesse zu initiieren oder zu fördern.
In diesem Beitrag wird es um einen sehr speziellen Teilbereich dieser künstlerischen Forschung gehen, um die Vergangenheit und die Zukunft der urbanen Transportsysteme aus dem Blickwinkel der Bildenden Kunst.

Ich werde ihnen Projekte und Objekte aus der europäischen und nordamerikanischen Kunst, primär der vergangenen 20 Jahre, vorstellen, die Aspekte von innerstädtischer Mobilität in europäischen Städten mit den Mitteln der Kunst thematisieren. Die Werke reagieren auf die jeweiligen gesellschaftlichen Situationen und Kontexte und spiegeln so die Bedingungen und Konflikte der öffentlichen Räume und auch Entwicklungen und Veränderungen im innerstädtischen Verkehr wider. Meine Auswahl konzentriert sich auf den Individualverkehr westlicher Großstädte. Das Fortbewegen, das Auto als primäres Fortbewegungsmittel, die Verkehrsteilnehmer und ihre Wege werden zum künstlerisches Thema und Material. ..

In: Stadt der Zukunft_Zukunft der Stadt, Hg: H.-H. Bass, C. Biehler, Ly H.T., Hamppverlag 2011

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LandArbeit07 als Gabe / 2011

(...) Man kann LandArbeit07 unter vielen Aspekten betrachten. Der Begriff der Gabe spielte bei der Entwicklung des Projektes keine Rolle, könnte aber im Nachhinein einen fruchtbaren Blickwinkel zum Verständnis bieten. Dem Geben und Schenken haften ja zahlreiche romantisierende Konnotationen an; um Gutmenschentum oder Generosität ging es bei LandArbeit07 aber nie. Die Initiative der gemeinsamen Unternehmungen hat viele andere Kräfte losgetreten. Die Bürger öffneten ihre Türen für Theater in ihren Wohnzimmern, sie gaben ihre Tische weg, zogen ihre alten Brautkleider für Fotoinszenierungen hervor u.v.a.m.. Die Künstler indes waren mit der Herausforderung konfrontiert, sich in einem bisher nicht gekannten – und für das Kunstsystem ungewöhnlichen – Maße innerhalb eines Dorffestes und kirchlicher Aktivitäten zu positionieren und mit den kulturellen Traditionen der Bürger vor Ort zu interagieren. Man erfuhr: Um zu geben, muss man aufeinander zugehen. Für die Projektleitung galt es, sich mit viel Geduld und Vertrauen auf einen sehr offenen Prozess einzulassen. Der Austausch war also beidseitig. Insofern hat die Gabe eine Gegengabe erwirkt, ohne dass diese erwartet wurde oder strategisch geplant war.
Es gab für alle Beteiligten etwas zu lernen und kennenzulernen: Man gibt beim Geben einen Teil von sich und macht im Nehmen eine Fremderfahrung des Anderen. Gabe und Gegengabe sind so Beziehung stiftend und erhaltend. Insofern könnte man die Gabe als die Erfahrungspotentiale bezeichnen, die man sich auf der Basis des beschriebenen Gastgebermodells unter den LandArbeitern ermöglicht hat. (...)

In: Im Modus der Gabe, In the Mode of Giving. Hrsg.: Ingrid Hentschel, Una H. Moehrke, Klaus Hoffmann. Kerber Verlag Bielefeld/Leipzig/Berlin, 2011. S. 156 - 163

Kunst auf dem Land: LandArbeit07 - Kunstprojekt für einen Ort / 2011

(...) Die Lokation des Arbeitsraums von LandArbeit07 in einem infrastrukturell eher kunstärmeren Gebiet eröffnet die Möglichkeit, das Verständnis dessen, was gemeinhin unter „Kunst im öffentlichen Raum“ verstanden wird, durch entsprechende künstlerische Einlassungen auf den ländlichen Raum gezielt zu erweitern.

Die Vorstellung, dass Kunst der Gegenwart sich in Zentren, statt in Randlagen ereignen muss – der weltoffene kosmopolitische Impuls auf der einen Seite, der rückständige Provinzialismus auf der anderen – ist zwar überkommen und vorurteilsbelastet, aber dennoch stark verbreitet. Sie wird dadurch genährt, dass man bei „Kunst und ländlicher Raum“ noch allzu schnell Gestaltungsformen denkt, die anknüpfend an LandArt-Projekte europäischer Provenienz ihr Material meistens aus der unmittelbaren Umgebung beziehen, wie etwa gestapelte Heuballen oder Labyrinthe im Maisfeld. Diese und ähnliche gut gemeinte künstlerische Einlassungen auf ein ländliches Umfeld bleiben jenseits realer Alltagsanforderungen und einer veränderten Arbeitswelt. Sie sind an ein Klischee vom Ländlichen gekettet und befördern ein Bild, das es nicht gibt und vielleicht auch nie gegeben hat.(...)

In: XX. Hg: Künstlerhaus Kloster Gravenhorst, 2011

Gehen in Barcelona/ Losgehen - Vermittlungsprozesse bei ‘Barcelona Walks’ / 2010

Eine Stadt bringt besondere Arten des Gehens hervor: Wir spazieren als Fußgänger durch die Straßen, machen zielstrebig unsere Besorgungen, sind Sightseeing-Jäger auf der Jagd nach “lohnenswerten” anerkannten Sehenswürdigkeiten oder flanieren an verführerischen Auslagen vorbei. Beim Gehen setzen wir uns zu unserer Umgebung in Beziehung und organisieren in unserer Wahrnehmung die Räume stets neu, die wir durchschreiten. Eine Projektgruppe von Studierenden der Kulturwissenschaften der Universität Hildesheim verwendet die alltägliche menschliche Handlung, das Gehen, als Material, Methode und Ausgangspunkt künstlerischer Produktion in Barcelona. In einem einwöchigen Blockseminar unter dem Titel „Der Walk als künstlerisches Format“ interessiert es, von dem gewohnten Verhalten sich durch eine touristisch erschlossene Großstadt zu bewegen, bewusst abzuweichen und zu erforschen, wie Gehen als konkrete körperliche Aktion im kulturellen oder künstlerischen Raum neue Räume konstituieren kann....

Losgehen – Vermittlungsprozesse bei ‘Barcelona walks’

... Ein solcher Kunstvermittlungsansatz, der die Art der Vermittlung abhängig vom Gegenstand und dem Ort macht, setzt in “Barcelona walks” eine Lehrhaltung voraus, die im Modus der Kunst zwischen Setzen und Verwerfen, zwischen Fassen und Loslassen hin und her schwingen kann. Das Setting ist der feste Rahmen. Gegenseitige Aufmerksamkeit, vertrauensvolle Prozessbegleitung und die Ermunterung zur Spielfreude, die zunächst nicht das Produkt im Auge hat, schaffen das Plateau, auf dem künstlerische Ideen in einen “Flow” kommen und Zufälle, Unabwägbarkeiten und Zweifel als produktive Komponenten eines kreativen Prozesses erlebt werden können.

Aus: Barcelona walks. Hg.: Christine Biehler, Hildesheim 2010

Ein Dorf sockeln, Die Skulptur LandArbeit07 / 2010

(...) Im Folgenden werden die Parameter der „Skulptur LandArbeit“ ausgeführt: Kommunikation, Partizipation und Prozessualität sowie das ihr zugrunde liegende Verständnis von Bildhauerei und der Raumbegriff, mit dem das Konzept von LandArbeit07 operiert. Dieser Zugang zum Projekt, das Verständnis der inhaltlichen Elemente und die verwendete Begrifflichkeit sowie die Diktion sind geprägt von meiner Profession als bildende Künstlerin.

Bildhauerei im und am Dorf
Das Projektkonzept für LandArbeit07 ist erwachsen aus einem bildhauerischen Verständnis, das versucht, die Grenzen und Möglichkeiten des künstlerischen Mediums zu erweitern, neu zu denken und zu definieren. Dieser Begriff von Bildhauerei beschränkt sich nicht auf die tradierte Auffassung einer materialgebundenen, körperlichen Gestaltung im dreidimensionalen Raum.
Gearbeitet wird bei LandArbeit07 an den Schnittstellen von Bildhauerei und Community Based Art , deren künstlerische Praxen sich um die Zusammenarbeit mit Gemeinschaften und einer kollektiven Form von Erfahrung ranken. (seitenrandbemerkung Popplow) Interdisziplinär und mit begrifflicher Offenheit wird versucht, dem Medium der Bildhauerei neue formale wie auch inhaltliche Potenziale von gesellschaftlicher Relevanz zu erschließen.

Der Begriff „Sockel“ im Titel dieses Aufsatzes spielt auf die tradierte Auffassung einer gesockelten Kernskulptur an, verschiebt aber den Fokus im Zusammenhang mit LandArbeit07 durch das Verb „sockeln“ von dem Gegenstand und der Präsentationsform auf die Handlung. Ein „Dorf sockeln“ zu wollen scheint zunächst absurd. Gemeint ist: Heinde wird in das Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt, wird aus dem Gewöhnlichen in das Besondere gehoben, „gesockelt“. Es wird hier einem räumlichen Phänomen, einem Dorf, ein besonderes Augenmerk geschenkt, es wird zum „Material“. Es wird „behauen“, bearbeitet und schließlich präsentiert – oder richtiger: Das Dorf, verstanden als ein dynamisches Gebilde, verändert sich und arbeitet im Rahmen von LandArbeit07 selbst an seiner Form. Es kann sich zeigen. Ein Dorf zu „sockeln“ bedeutet also, einen Rahmen zu schaffen und ihn durch viele Maßnahmen zu festigen, bis das Dorf nach transformierenden Eingriffen nicht mehr ist, was es vorher war.

Im Zentrum des künstlerischen Ansatzes steht nach wie vor der Raum, gearbeitet wird an der Transformation von Räumen auf mehreren Ebenen: Das Projekt LandArbeit07 hat den physischen Raum in und um Heinde als Aktionsraum genutzt. Wichtiger wurde jedoch die Gestaltung eines sozialen Handlungsraums. Die klassischen „Betrachter“ wurden zu Teilnehmern, Kommunikation und Partizipation zu Medien dieser Raumtransformation.(...)


In: LandArbeit07. Kunstprojekt für einen Ort . art – community – communication. Hg.: Christine Biehler, Jürgen Fritz. Leipzig: Seemann Henschel 2010

Kunst auf dem Land? Zur Dichotomie von Peripherie und Zentrum / 2010

2007: In diesem Jahr scheint sich die wegweisende Kunst auf den ersten Blick im Urbanen abzuspielen. Es ist ein Jahr, in dem die großen Kunstevents Interessierte in die Städte Kassel, Münster und Venedig locken. Für Künstler und Künstlerinnen ist durch die vorherrschende Konzentration ihrer Arbeit auf die Stadt das Land nach wie vor ein relativ unbearbeitetes Handlungsfeld. In dieser Zeit findet LandArbeit07 statt, ein Kunstprojekt im ländlichen Raum. Zentrum der Veranstaltung ist die Ortschaft Heinde, 5 Kilometer südöstlich von Hildesheim gelegen.

Die Lokation des Arbeitsraums von LandArbeit07 in einem infrastrukturell eher kunstärmeren Gebiet eröffnet die Möglichkeit, das Verständnis dessen, was gemeinhin unter „Kunst im öffentlichen Raum“ verstanden wird, durch entsprechende künstlerische Einlassungen auf den ländlichen Raum gezielt zu erweitern. Wir fragten: Wie kann heute eine avancierte künstlerische Praxis aussehen, die mit ihren Mitteln Aspekte einer ländlichen Region thematisiert? In den vergangenen Jahrzehnten haben Künstlerinnen und Künstler vielfältige Strategien für Interventionen in bestehenden öffentlichen, meist städtischen Kontexten entwickelt. Wie können diese Strategien auch in der Peripherie zum Einsatz kommen? Wo ist die Peripherie und wie definiert sie sich? Wo verläuft die Grenze zwischen zentral und peripher? Wer bestimmt, welcher Referenzbereich der Kunst als weltgewandt und welcher als „hinterwäldlerisch“ anzusehen ist? Und wer legt die Begründung dafür fest? (...)

In: LandArbeit07. Kunstprojekt für einen Ort . art – community – communication. Hg.: Christine Biehler, Jürgen Fritz. Leipzig: Seemann Henschel 2010

Rahmenbau und Klimatechnik / 2010

Eine künstlerische Arbeit, die ihre Rezipienten in einem kommunikativen und partizipatorischen Akt in ihre Entwicklung einbezieht, ist nur graduell von Kunstvermittlung zu unterscheiden, in manchen Fällen nur durch die Art und Weise ihres Auftretens oder ihrer Anerkennungswürdigkeit innerhalb des Kunstsystems. Wenn Partizipation und Kommunikation – wie bei LandArbeit07 – Schwerpunkte eines ganzen Kunstprojekts sind, liegt es nahe, das Projekt selbst als eine Art der Vermittlung zu begreifen. Man könnte sogar weitergehend behaupten, Kunst im öffentlichen Raum sei ohne die zentrale Berücksichtigung von Vermittlungsfragen überhaupt nicht denkbar, da in dem Moment, in dem die Kunst sich direkt an ihre Rezipienten wendet, Kunstvermittlung stattfindet.

Im Folgenden soll nicht analysiert werden, wo sich Kunst und Kunstvermittlung in LandArbeit07 überschnitten haben. In LandArbeit07 stellte sich vielmehr neben der Frage, ob und in welchem Maße in den Einzelprojekten partizipiert wird, die Aufgabe, herauszufinden, wie diese Formen der Teilhabe bereits im Vorfeld vorbereitet und unterstützt werden können. (...)

Aus: Vermiitlung, Form und Fomate. In: LandArbeit07. Kunstprojekt für einen Ort. art – community – communication. Hg.: Christine Biehler, Jürgen Fritz. Leipzig: Seemann Henschel 2010

Arbeite mit, plane mit, regiere mit! Kollektive in der aktuellen Bildenden Kunst am Beispiel eines Projektes der Künstlergruppe Reinigungsgesellschaft / 2010


In den 90er Jahren ist im Zuge einer „Re-Politisierung“ der Kunstlandschaft eine erneute Hinwendung zu partizipatorischen Werkformen in der Bildenden Kunst zu beobachten. Es entstanden in dieser Zeit vermehrt Künstlerzusammenschlüsse, meistens zeitlich begrenzt, kurzfristig oder für ein konkretes Projekt lokal definiert.

Die Gemeinsamkeit erstreckt sich weniger auf ein kollektives Produzieren, sondern auf gemeinschaftliche kuratorische Tätigkeiten, das Organisieren von Ausstellungen, auf interne Diskussionen und gegenseitige Anregungen, auf Aktionen, auf ein Atelier, das man sich teilt oder auf die Selbstdarstellung der Gruppe nach außen.

„Arbeite mit, Plane mit, Regiere mit!“ ist der Titel eines Projektes der Künstlergruppe REINIGUNGSGESELLSCHAFT, das 2004/2005 im Kasseler Kunstverein gezeigt wurde. Die künstlerische Arbeit des Mitte der 90er Jahre gegründeten Künstlerzusammenschlusses aus Dresden repräsentiert in dem vorgestellten Projekt eine für diese Zeit in einem bestimmten Bereich der Bildenden Kunst typische Arbeitsform, in der das Kollektiv auf vielen Ebenen auftaucht: als Produktionsgemeinschaft innerhalb der RG, als Arbeitsweise der RG, die die Arbeit mit gesellschaftlichen Gruppen zum Bestandteil hat und im Material. Denn Ausgangspunkt für ihre Arbeit für den Kasseler Kunstverein ist ein Wandfries aus Meißener Porzellan mit einer Darstellung einer Arbeitergruppe, das Anfang der 60er Jahre in der DDR entstanden ist. Dieses Wandbild, das die Ideen zum sozialistischen Kollektiv visualisiert, liegt als Bodenobjekt im Zentrum der Ausstellung und dient als historischer Referenzpunkt, den andere Ausstellungselemente auf aktuelle Themenbezüge hin befragen.
Im Folgenden wird zunächst das Projekt in Kassel mit einem kleinen Exkurs zum Titel und dem Begriff des Kollektivs in der DDR beschrieben. Dann werden die Besonderheiten in der Arbeitsweise der RG vorgestellt: weg vom ästhetischen Objekt, hin zur Arbeit an der Kommunikation und versucht, sie in die künstlerischen Ansätze und Bewegungen der 90er Jahre einzubetten. Am Schluss wird die Frage gestellt, ob sich der Begriff ‚Kollektiv’ zur Beschreibung von künstlerischen Gruppenaktivitäten in der Bildenden Kunst eignet.(...)


In: Kollektive in den Künsten. Hg.: Hajo Kurzenberger, Hanns-Josef Ortheil, Matthias Rebstock. MUTH Bd. 10. Hildesheim, Zürich, New York 2009

In der Bewegung bleiben - Merkmale künstlerisch-praktischer Forschung / 2007

In: Tischgesellschaft. Künstlerische Praxis in Lehr- und Lernprozessen. Hg.: Marr, Stefanie. Oberhausen 2007

LandArbeit als Lehrprojekt / 2007

Ran an den Ball! Die Ausstellungsgestaltung / 2006

Vorüberlegungen: Gegeneinander - Miteinander
Die Ausstellung „Kult um den Ball“, das sind Bälle, Tafeln und Friese mit Spielszenen, Skulpturen und Kleidungsstücke aus verschiedenen Kulturkreisen samt Informationen zu den unterschiedlichen Formen von Ballspielen und ihrem kultischen Hintergrund. Ihre Bedeutung und Deutung hängt von den Bedingungen der Wahrnehmung ab. Somit beeinflusst die Art der Ausstellungspräsentation die Handlungs- und Rezeptionsmöglichkeiten der Betrachter.
Wie kann man angesichts der Vielzahl verschiedener Ballspiele durch die Jahrtausende das Gemeinsame in der Unterschiedlichkeit vermitteln und eine Vergleichbarkeit fördern?
Es braucht dazu eine als einheitlich wahrzunehmende Struktur, in die sich die heterogenen Elemente eingliedern lassen. Angesichts der Fülle sucht das Ausstellungsdesign nach Schnittmengen: die Bewegung im Spiel, die Spieler, die Reflexionen über den Ball. Es schafft Spielfelder als abgezirkelte Terrains für Objektinszenierungen sowie Ruheplätze und bietet Informationen zum Sachgegenstand. Jedes Gestaltungselement hat eine Funktion für die Gesamtsituation und ist für diese Ausstellung entwickelt oder neu arrangiert worden mit dem Ziel beim Durchwandern auf verschiedenen sinnlichen Ebenen einen anregenden Dialog zwischen den Exponaten und eigenen Erlebnissen in Gang zu setzen. ..

In: Sportmagazin Kicker (Sonder)Edition ‚Kult um den Ball’. Nürnberg 2006

Lüften! Air conditioning im Kunstunterricht / 2005

In: Kunst und Unterricht. Heft 295/2005. Seelze 2005

ein-räumen-aus-reizen. Bildhauerische Maßnahmen am Ort und für den Ort / 2004

Im folgenden Text geht es um die Beleuchtung eines spezifischen Begriffs von Raum als Basis eines künstlerischen Denkens und Arbeitens.
Ich werde darlegen, was erfahren und geübt werden sollte, um Kunst im und über Raum zu verstehen und zu praktizieren: nämlich das Ein räumen. Was ich mit diesem Prozess des Einräumens meine, wird an einem mehrschrittigen Modell, das auch als Leitfaden für den Workshop diente, anschaulich gemacht.
Die Ausführungen werden an Diskussionselementen und Ergebnissen aus der Veranstaltung auf Schloss Rotenfels exemplifiziert und von zwei dort vorgestellten Beispielen aus meiner künstlerischen Praxis abgerundet. (...)

 

In: Künstlerische Bildung nach PISA - Neue Wege zwischen Kunst und Bildung. Hg.: Kettel, Joachim, igbk, Landesakademie Schloss Rotenfels. Oberhausen 2004

White-out / 2003

„...Seit Tagen dichter Nebel im Eis. Die Augen finden keine Anhaltspunkte mehr, ich kann nicht mehr zwischen oben und unten unterscheiden, der Horizont ist zerflossen. Die Füße stapfen von selbst im diffusen Licht weiter durch den Neuschnee – überall und anscheinend unendlich: Weiß.“
Reinhold Messner beschreibt bei seiner Durchquerung der Antarktis wie angesichts der extremen Belastung und den klimatischen Verhältnissen die Sinne in „lautstarker Totenstille“ auf Hochtouren arbeiten und der durch den leuchtenden Schnee entstandene Farb- und Lichtraum zwar die Konturen der eigenen Person schluckt, dafür aber Wahrnehmung und Gedanken klärt. Das Weiß außen löst eine Bewegung nach Innen aus. Es ist die Sehnsucht nach Ruhe und Leere, die Menschen in die Wüste treibt.
Kassel 2002 – Documenta:
Um die Ecke biegend betrete ich direkt den zweiten Raum der Installation von Alfredo Jaar und halte mir spontan die Hand vor die Augen: ein Angriff, eine Lichtbombe! Nur schnell weg! Wo ist die befreiende Ausgangstür? Der Fluchtimpuls lässt nach einiger Zeit nach und die Augen gewöhnen sich langsam an die Helligkeit. Die Ränder einer fast Wand füllenden Lichtfläche an der Stirnwand werden deutlich, ein Lichtbild, ein Bild aus Licht, ein Bild, das aus sich heraus strahlt und dessen Anblick blendet.(...)

In: XXD 11. Über Kunst und Künstler der Gegenwart. Ein NachLesebuch zur Documenta 11. Hg.: Balkenhol, Bernhard/ Georgsdorf, Heiner/ Maset, Pierangelo. Kassel 2003

"Ich bin schon da“, sagt die Skulptur / 2003

Hoppla! Der Bildungsprozess ist schon im Gange? Wo ist die Skulptur? Warum kann sie sprechen?...„Ich bin schon da“ plädiert für eine Vermittlungspraxis in Schule und Hochschule, die Kunstvermittlung als produktive Tätigkeit, als Bilderzeugungs- und Bildfindungsprozess im weitesten Sinne auffasst und das Sich-Bilden und Ausbilden bereits als ästhetischen Vorgang versteht. Dabei sind gerade Inhaltsmomente und Momente, die sich sperren und die Beteiligten irritieren oder sie verführen, Randbereiche zwischen Gelingen und Scheitern zu betreten, willkommene Faktoren der ‚Bild’-ung und Anlässe für Vorstellungen, Gespräche und Aktionen. Kunstmachen und Kunstunterrichten rücken ganz eng zusammen mit dem Ziel, „Kunsterzieherkunst“ zu umgehen und das Eintauchen in ästhetische Prozesse auch im institutionellen Rahmen als tatsächliches Handeln zu leben und zu erleben, als lustvoll ernsthaftes Spiel mit kompetenten Partnern.(...)

In: Kunstdidaktisches Handeln. Dortmunder Schriften zur Kunst. Hg.: Busse, Klaus-Peter. Dortmund 2003In: BDK Mitteilungen 2/03, S. 14 -19. Hg.: BDK. Hannover 2003

Tütenkopf / 1997

(und andere Beiträge)In: Die Fundgrube für den Kunst-Unterricht. Hg.: Trabant, Jürgen. Berlin 1997