1993. Videoinstallation. 5 Farbmonitore, 5 Videoplayer

 

 



1993. Videoinstallation. 5 Farbmonitore, 5 Videoplayer

 

Die mantis religiosa, genannt die Gottesanbeterin, ist eine Fangheuschrecke, die ihre Opfer mit ihren Vorderbeinen einzwängt, bisweilen mit Schlägen traktiert und durch Bisse tötet. Des öfteren kommt es vor, dass nach dem Begattungsakt das Männchen von dem dickleibigen Weibchen gefressen wird.

Auf drei Monitoren taucht jeweils eine in den Bildausschnitt exakt eingepasste Wassermelone aus dem Weiß auf; zwei große Messer beginnen in die grüne Frucht einzudringen und sie dann Stückchen für Stückchen zu zerlegen. Akribisch wird die Melone zerkleinert, bis nur noch rotes Fruchtfleisch die Bildfläche einnimmt. Hände sind dabei nie zu sehen. Die Messerspitzen verschwinden, es wird ins Weiß ausgeblendet.

Dieser Vorgang wiederholt sich immer wieder, mal beschleunigt, mal verlangsamt. Die Zeitlupe und der Zeitraffer bewirken, dass das beim Schneiden und Abbrechen der Fruchtstücke entstehende, nun laut abgespielte Geräusch verfremdet ist und sich hektische Töne mit dumpfen, schweren Schlägen verbinden. Es klingt wie in einer Werkhalle: beim "Schlachtfest auf dem Melonenfeld" wird stetig gearbeitet.

Melonenfeld- mantis religiosa mag einerseits Assoziationen wie die Ausbeutung der Weltkugel, blutiges Kriegsgemetzel, den Geschlechtsakt oder die Automatisierung unseres Lebens provozieren, andererseits hat der stets nachwachsende Fruchtgarten in Zeitraffer und in seiner klarer Form comichafte Züge: wie im Zeichentrickfilm wird lustvoll zerstört und zerlegt und im nächsten Bild wieder aufgestanden: “the show goes on"

1993. Videoinstallation. 5 Farbmonitore, 5 Videoplayer

 

Das kunstvolle Zerteilen von Melonen als gleichsam rituellen Akt

(Berg, Karl Georg. Die Rheinpfalz, 31.5.1994)


So findet sich bei Christine Biehler eine schrecklich schöne Komposition Melonenfeld I – mantis religiosa“, die das Zerschneiden einer Frucht als blutiges Ritual, als tödliche Andacht der Gottesanbeterin in blauem Plüsch ad infinitum zelebriert.“

(Andeas Hillger, Dessauer Zeitung 1993)