1996. Wandobjekt. Kunstmuseum Wolfsburg, Kunstverein Ludwigshafen. 5 Waschtische, Badeschaum

 

Aus fünf untereinander hängenden Waschbecken wölben sich Schaumzungen in den Ausstellungsraum.

1996. Wandobjekt. Kunstmuseum Wolfsburg, Kunstverein Ludwigshafen. 5 Waschtische, Badeschaum

 

Fünf große, bahamabeige Badezimmerwaschtische hängen in einem Abstand von 30 cm untereinander mittig an der Ausstellungswand. Vom Morgen bis zum Abend quillt aus den Becken weißer Schaum und formt im Überlaufen ausufernde Schaumwolken, die sich raumgreifend nach vorne wölben und nachts, wenn die Motoren ausgestellt sind, wieder in sich zusammenfallen. Die Skulptur entsteht - täglich anders - erst im Ausstellungsraum.

Die Badezimmerbecken sind nicht an eine Wasserleitung angeschlossen und auch durch ihre disfunktionale Hängung unbenutzbar. Als Relikte einer Alltagswirklichkeit erinnern sie an ihren Benutzungszusammenhang im Badezimmer einer Privatwohnung. Das Badezimmer - erst heute ein rein privater Ort der Reinigung, der Blöße - ist, gerade auch deswegen, zu einer Festung der Intimität geworden. Darinnen sind die Becken, bzw. die Abflüsse die Verbindungsstücke nach Außen, die Schnittstellen zur Öffentlichkeit. Doch die Becken kollabieren: dort, wo normalerweise alles Unliebsame weggespült wird, wölben sich wie aus aufgerissenen Körperöffnungen lustvoll Schaumzungen hervor. Die Deckenventilatoren der Belüftungsanlage im Museum Wolfsburg blasen die fest gewordenen Seifenteilchen an der Oberfläche des Schaums auf den Boden, wo sich mit der Zeit vor der Skulptur eine nach Fichtennadel duftende, rutschige Seifenfläche bildet.

Venus World formuliert einen Kommentar zu Donald Judds berühmten „stacks“, in denen identische aus industriellen Werkstoffen gefertigte Schachtelformen in den Raum ragen und in vertikaler Anordnung die Raumhöhe besetzen. Die rigorose strukturelle Klarheit wird in kritisch reflektierter Tradition zur Minimal Art aufgenommen und ergänzt und mit der Wendung ins Narrative und Subjektive konterkariert. Der Akt der Wahrnehmung wird zu einer eminent körperlichen Erfahrung, wo Geruch, Oberflächenreize und Bewegung des ephemeren Materials den Betrachter vereinnahmen: Das einst ereignislose Specific Object schlägt zurück.

 

1996. Wandobjekt. Kunstmuseum Wolfsburg, Kunstverein Ludwigshafen. 5 Waschtische, Badeschaum

 

Daneben gab es noch viele geniale Werke. Besonders originell: "Venus World“ von Christine Biehler. Mittelpunkt der Arbeit sind fünf Waschtische, aus denen Schaum quillt. Der trocknet und fällt dann als feine Kügelchen zu Boden.

(Wolfsburger Allgemeine 23.11.1996)



... Den von der Stadtsparkasse Lud wigshafen gestifteten Publikumspreis erhielt die 1964 in Landau geborene Biehler für die von Idee und Formkraft her vielleicht eigenwilligste Arbeit in der Ausstellung. Der Grundgedanke ist eine Fontäne, bei der Wasser von Becken zu Becken überfließt.
Christine Biehler montiert fünf Waschbecken übereinander an die Wand.  In jedem wächst Badeschaum, durch eine im Becken montierte kleine Pumpe hervorgebracht, zu bizarren vergänglichen Skulpturen, kippt ab und sinkt über den Beckenrand zu Boden...

(Heike Marx, in: DIE RHEINPFALZ, 26. 3.1999)