Rauminstallation. Eichenparkettstäbe

Ein Fischgrätparkettboden ist aufgebrochen. Die einzelnen Holzelemente sind zusammengeschoben und wölben sich schulterhoch wellenartig nach oben.

(noch nicht realisiert)

Rauminstallation. Eichenparkettstäbe

In einem Ausstellungsraum, der mit Fischgrätenparkett ausgelegt ist, ist das Parkett, anscheinend durch eine Kraft von unten und durch Zusammenschieben der einzelnen Holzstücke, so aufgeworfen, dass sich eine filigrane “Woge“ (surging = wogend, anschwellend) aus Holz bildet.

Die Rauminstallation verknüpft das Katastrophenmoment - das Raumbild erinnert beim ersten oberflächlichen Blick an Fotos von zerstörten Innenräumen nach einer Flut- oder Erdbebenkatastrophe - mit einer mannshohen Skulptur.

Die Skulptur wird durch mühsame, sehr zeitaufwändige Handarbeit aufgebaut. Der Zufall und die Rauheit des Zerstörungsgestus ist überformt von einer das Detail beachtenden Komposition, die elegant in die Höhe strebt. Das Desaströse wird hoch ästhetisch. Da nur mit den (einst) verlegten Holzstücken gearbeitet wird und sie am Boden durch die Arbeit im Dreidimensionalen fehlen, befindet sich im vorderen Teil des Ausstellungsbodens der blanke Estrich mit Eisenstreben, die das Parkett in Spannung halten.

In der “Parkettwelle” könnten wir auch an das “Eismeer” von Caspar David Friedrich oder an “Die große Woge” des japanischen Künstlers Hokusai erinnert werden, in der die Größe und Dynamik der Naturgewalt gebannt und veranschaulicht wird. Der Innenraum mit dem aufgeworfenen Fußboden wird zum Außenraum und zur begehbaren erhabenen Landschaft.

Statt einer Eins-zu-eins-Übersetzung eines Katastrophenbildes oder eines Nachbaus von einer Welle oder eines Eisschollenaufwurf ist durch die sensible Behandlung jedes Holzstücks der Skulptur eine Form angestrebt, die bei aller Anmutung, dass hier chaotische Naturkräfte am Wirken waren, ihre Konstruiertheit nicht verbirgt.

Das, was zunächst als ein im Prozess angehaltenes, eingefrorenen Bild eines “natural disasters” daher kommt, ist, wie so viele Katastrophen in unserer Zeit, ein von Menschen gemachtes, ein “man made disaster“.

Ein Alltagsmaterial, das normalerweise unaufdringlich und selbstverständlich in einem bürgerlichen Ambiente seinen Platz unter unseren Füßen hat, ist in eine überraschende Form geronnen. Die Solidität des Grundes ist infrage gestellt.


(Christine Biehler)