1996. Raum/Videoinstallation. Mühltal. Seifenschaum, Motoren, Wasser, Folie, Monitor, Videoplayer mit Endlosband

 

 

Der ehemalige Waschraum der Arbeiterinnen ist knöchelhoch geflutet. In dem dunklen Bodenbecken wirkt die Wasserfläche wie ein großer Spiegel, in dem sich der Raum mit den Installationselementen in der Tiefe verdoppelt.Aus den fünf Handwaschbecken drückt sich unablässig blütenweißer Seifenschaum nach oben und bildet im Überwölben sich ständig verändernde, körperhafte Skulpturen. An der Stirnwand des Raumes ist auf Augenhöhe ein Monitor in die Backsteinmauer eingelassen. Frauenköpfe werden sichtbar, die nach vorne durch eine transparente Fläche oder Substanz stoßen, um dann unbeweglich und geradeaus wie in einen Spiegel zu schauen. Ihre Gesichter sind aufgequollen, ihr Blick befremdlich. 

1996. Raum/Videoinstallation. Mühltal
Seifenschaum, Motoren, Wasser, Folie, Monitor, Videoplayer mit Endlosband



Der ehemalige Waschraum der Arbeiterinnen der wacker-Fabrik ist seit Jahren unbenutzt. Gleichsam privat und doch halböffentlich war dieser besondere Bezirk auf dem Werksgelände schon damals eine Schnittstelle zwischen Innen und Außen. Nun sind die Wände verwittert, der Gips blättert und schält sich in vielen Schichten vom Untergrund ab.
Installation:
Der Waschraum ist knöchelhoch geflutet. In dem dunklen Bodenbecken wirkt die Wasserfläche wie ein großer Spiegel, in dem sich der Raum mit den Installationselementen in der Tiefe verdoppelt.
Schon von draußen duftet es nach Fichtennadel und Flieder. Aus den fünf Handwaschbecken an der gekachelten Querseite des Raumes drückt sich unablässig blütenweißer Seifenschaum nach oben und bildet im Überwölben große, sich ständig verändernde, körperhafte Skulpturen. Ab und an löst sich ein Schaumbatzen und schwimmt wie ein Eisberg auf der Wasserfläche.
Den Becken gegenüber, an der Stirnwand des Raumes, ist auf Augenhöhe ein Monitor so in die Backsteinmauer eingelassen, dass nur noch das Glas der Bildröhre aus dem Mauerwerk schaut. Die Videobilder sind neben den vier milchig verglasten Sprossenfenstern eine weitere Lichtquelle, die den Raum in mattes Licht tauchen und im ruhigen Wasser reflektiert werden. In gleichmäßiger Abfolge werden- zunächst schemenhaft- Frauenköpfe sichtbar, die, als ob sie das Glas der Bildröhre durchdringen könnten, nach vorne durch eine transparente Fläche oder Substanz  stoßen, um dann unbeweglich und geradeaus wie in einen Spiegel zu schauen. Ihre Gesichter sind aufgequollen, ihr Blick befremdlich. Nach einer Weile ziehen sie sich zurück und scheinen nach hinten zu fallen. Langsam löst sich ihr Bild, wie in einer Wasserpfütze, in die es tropft, auf.
Nur wer die schwarzen Gummistiefel an der Eingangstür anzieht und den “Innenraum”, den Spiegel, betritt, ergänzt die sonst sehr stille Installation mit seiner Person und dem Plätschern seiner Schritte im Wasser.

 

1996. Raum/Videoinstallation. Mühltal. Seifenschaum, Motoren, Wasser, Folie, Monitor, Videoplayer mit Endlosband

 

Christine Biehler hat mit dem Frauenwaschraum gearbeitet: Seifenschaum wird zu fragilen Skulpturen, ein Video simuliert die auf Gesichter konzentrierte Situation - das Ritual der Reinigung in seiner weit über das Fabrikleben hinausgehenden Bedeutung.


(Susanne Broos. In: Frankfurter Rundschau  29.5.1996)