1999. Installation in the art gallery 'Sequence', Frankfurt a. M., Germany
Silicon, plastic-sheet waterproofing, bubble bath, pumps and tubing

 

 

The exhibition space, a white cube, cannot be entered since the floor is knee high covered with soap bubbles. On the left wall a silicon painting - a mountainous landscape standing on its head - is attached. It is hardly visible and coloured by the light of the room that varies according to the time of the day.



1999. Installation in the art gallery 'Sequence', Frankfurt a. M., Germany
Silicon, plastic-sheet waterproofing, bubble bath, pumps and tubing

 

 

The scent of soap - spruce - and a low-pitched tone emanate from the open door of the gallery into the lobby - but visitors are not permitted to enter the exhibition hall. Standing in the doorway, visitors are detached observers of a sculpture that continually changes through the effects of the light and air. From wall to wall, the dark floor of the third-floor gallery is completely covered with waist-high hills of white foam that cause the freshly painted walls to shine even more brightly.

The solid ground that in the white cube offers an assurance of the stability of artistic works, is replaced here by an amorphous relief that develops its own sphere of privacy and demands that the viewer keep his distance. The floor seems to clean itself and to puff up; it spits and takes on volume and body.

The airy structures that develop are complemented by a wall-filling composition of transparent silicon that cannot be viewed frontally, but only from a lateral perspective. When considered more closely, the slightly eruptive structure - imposing like shiningly frozen, crystalline water droplets and coloured by the light of the room that varies according to the time of the day - can be seen as a mountainous landscape with peaks, an alpine lake, flowers and fir trees.

But the idyll, stimulated by the theme of the kitsch mountain wallpaper,  has a slimy consistency and is standing on its head; the snow-covered peak dips into the soapy “ocean of clouds”, inverting the room and making the floor the sky.

The loud, room-filling hum of the pumps, which are constantly blowing air into the pool of soapy water, prevent any meditative silence from descending on this synthetically scented nature scene. This “place of cleansing” is power-driven.
In 102 m above +/- 0 ground floor the artist has created an interior space containing mountains, and mountains of soap bubbles, that may awaken sublime feelings and a romantic longing for nature, but at the same time undermines the basis for them. The dynamic floor sculpture, which unfolds and changes in and with time, collapses into itself when the pumps supplying the air are switched off in the evening, leaving a fluorescent green sheet of water. 


(Christine Biehler)

1999. Rauminstallation Galerie ‘Sequenz’ Frankfurt. Silikon, Folienbecken, Badezusatz, Membranpumpen, Luftschläuche

 

Dieses grüne Leuchten, das kennen wir. Dieses flirrende, unwirkliche Licht, das entsteht, wenn Sonnenlicht vom blauen Meerwasser reflektiert wird. Oder ‑ etwas profaner: das Licht, das den Kachelboden der Badeanstalt mit schwebenden Mustern überzieht. Wer Romantisches assoziiert, liegt hier richtig, nur der Ort ist ein ungewohnter. Das grüne Leuchten kommt aus dem Kunstraum Sequenz, der sich derzeit als Schwimmbassin darbietet ‑ samt Fichtennadelduft.

Die Künstlerin Christine Biehler setzt damit die Reihe experimenteller Raum‑Installationen in der Sequenz fort. Und erweitert das Thema noch einmal, mit einem ebenso einfachen wie präzise ausgeführten Kunstgriff.
Den gesamten Raum füllt Biehler mit Seifenwasser aus. Damit ist der Boden zunächst einmal in ein großes Farbfeld verwandelt, in vielen Facetten changierend. Aber auch landschaftliche Assoziationen regt Biehlers Arbeit an. Zarte Zeichungen aus durchsichtigem Silikon an der Wand: Schaumberge auf dem Wasser: All das erinnert von fern an Wolkengebirge und Bergwelten.
Ein Andachtsraum, der doch keine stille Versenkung zuläßt. Denn stets ist auch die künstliche und technische Natur dieses Kunststücks präsent. Ein spannender Balanceakt in betörendem Licht.

(Frankfurter Rundschau, 8.4.99)



Es riecht wie zum Reinhüpfen. Fichtennadeldüfte wabern durch den Raum. Aufgeblasener Schaum befeuchtet die Rippen des Heizkörpers, leckt an der Türschwelle der Galerie. Da schmeckt der Rotwein komisch. Die Vernissage ist trotzdem ein Erfolg, gerade weil man dieses Kunstwerk nicht betreten kann, sondern darin baden müßte, um es aus der Nähe zu erfahren.
... Ein Zitat aus Georg Büchners "Lenz" gefiel der Künstlerin als geistiger Leitfaden: "Nur war es ihm manchmal unangenehm, daß er nicht auf dem Kopf gehen konnte."
...Die reliefartige Wandzeichnung aus weißem Silikon soll den Besuchern "gemalte Landschaftsbilder" vor Augen bringen und zugleich körperhafte Analogien nahelegen. Wer eine Weile dem Schaum lauscht und hört, wie es knistert und tropft, imaginiert tatsächlich körperlich organisches Innenleben, und erinnert sich, wie es unter der Haut aussieht: Klebrig und naß.

(Dorothee Baer‑Bogenschütz, Frankfurter Rundschau, 30.3.1999)

 

Es dröhnt, es duftet, es schwebt, man will um die Ecke das durchsichtige Bild genauer betrachten, fühlt sich wie durch eine Fensterscheibe ausgesperrt und gleichzeitig - Kinderbadewannenspiele - heimlich angezogen. Wer jetzt nicht bald was erkennt, geht beleidigt weg. Wer bleibt, den hebt das Hinschauen auf eine Ebene, wo die Bezüge nicht mehr linear und logisch sind. Und da bemerkt er, dass das Bild auf der Wand auf dem Kopf steht. Sofort bilden die ausgedrückten Tubenwürste Gegenstandsformen und eine Gebirgslandschaft entfaltet sich - wie man sie kennt: Fototapete, KalenderbiId, Urlaubskatalog: der Watzmann. Das Bild breitet sich im ganzen Raum aus: der Schaum wird zu Wolkengebilden, das weiße Licht zu Kirchenwetter; das Bild zur Filmbildleinwand, die Membranpumpen zum Projektorengeräusch, der Raum zum Betrachterkopf, gefüllt mit dem erhabenen Gefühl des Wanderers über dem Nebelmeer...

(Aus: Bernhard Balkenhol, Romantische Strategien - das Gefühl vom Gefühl)