2000. Installation. Nassauischer Kunstverein Wiesbaden. Dampfbefeuchter, Nebelmaschine, Bodendurchbruch, Talg, PVC-Streifenvorhang, Glasscheibe

 

Durch ein Loch im Fussboden eines Nebel verhangenen Raumes ist eine grünlich gelbe, fettige Landschaft zu sehen, die sich unendlich unter der Bodenfläche auszudehnen scheint.

2000. Installation. Nassauischer Kunstverein Wiesbaden. Dampfbefeuchter, Nebelmaschine, Bodendurchbruch, Talg, PVC-Streifenvorhang, Glasscheibe

 


Ein paar Stufen führen nach oben, dann gilt es sich durch eine Schleuse aus transparenten PVC-bahnen in den erhöht gelegenen Ausstellungsraum zu drängen.

Drinnen ist es dunstig, warm und feucht. Nebelschwaden - unsichtbar und gleichmäßig in den Raum geblasen - legen sich als ein feiner Schleier über Haut und Haar. Der klare Raum verliert auf diese Weise seine Kontur. Durch das weichgezeichnete Fenster dringt gedämpftes Licht: der Raum dehnt sich, ist gefüllt mit der milchig-weißen Substanz, ein Farbraum, der undurchschaubar sich im Ungewissen verläuft. Die Besucher sind nur verschwommen auszumachen, es scheint, als bewegten sie sich langsamer und als seien ihre Stimmen gesenkt.. Das Zimmer scheint zunächst - außer den im Dampf stehenden Personen - leer. Tastet man sich zu einer Raumecke, wird die Aufmerksamkeit auf den Boden gelenkt. Dort ist in den grauen Teppichboden des Ausstellungsraumes bündig eine 20 cm breite, runde Glasscheibe eingepaßt, die den Blick in eine normalerweise verborgene Sphäre freigibt. Durch die Öffnung im Boden kann man wie durch ein Bullauge oder Vergrößerungsglas durch die herausgestemmte Decke, bzw. den Boden nach unten blicken.  Das „looking glas“ gewährt durch die verschiedenen Beton-, Holz- und Steinschichten Einblick in einen versteckten, anscheinend noch viel größeren Raum:
Anstatt dem vielleicht zu erwartenden Kellergewölbe breitet sich klar und künstlich beleuchtet - gleichsam unter den Füßen der Betrachter - eine andere Ebene, eine Landschaft 'en miniature' aus. Aus Talg weich geformt, wächsern gelblich-weiß, erheben sich Bergspitzen, die fast an die Glasluke stoßen, Flüsse winden sich durch Täler und Grotten, anderernorts gibt es Krater. Science-Fiction-Fantasien von unbewohnten fremden Planeten, Versatz-stücke aus dem Modellbau, heimattümelnde Hochgebirgsszenerien aus Reiseprospekten waren Material und tauchen als Assoziationen auf. Die Geschichte einer Landschaft wird erzählt, die sich konträr zu der diffusen, zarten „Oberwelt“ kompakt und massig ausgebildet hat.
Diese Welt (down under, engl: die andere Seite der Welt) verbirgt indes nicht, daß sie gemacht, konstruiert ist: Filmstaffage - doch ist sie gleichzeitig von so bedrängend  körperlicher Art, daß das Glas auch einen Schutz vor der „Wunde“, dem schleimig-eitrigen Inneren bildet.

In der Romantik markierte das Naturphänomen des Nebels die Sehnsucht nach dem Unerreichbaren, Fernen, verbirgt und birgt die stille Größe. In Down under in „den Wolken“ zu stehen ist eine schwüle Angelegenheit: Statt wie bei Caspar David Friedrich aufrecht auf dem Gipfel über dem ‚Nebelmeer' zu stehen, erreicht man hier „Fernsicht“ - wenig erhaben - nur in kriechender oder gebückter Haltung. Die Aussicht geht nach unten und ist verschwommen, der Weg ist versperrt - ausgenommen, man träumt sich hin zu diesem utopischen Ort, der verborgen - quasi „subkutan“ - unter den Alltagsdingen liegt.



2000. Installation. Nassauischer Kunstverein Wiesbaden. Dampfbefeuchter, Nebelmaschine, Bodendurchbruch, Talg, PVC-Streifenvorhang, Glasscheibe

 

Die Dämpfe haben einen sehr bedeutenden Anteil an der Erzeugung der Gebirge. Wenn sie von der Kälte in den Schlupfwinkeln und Höhlen des festen Erdkörpers getrieben und darin wie in einem Kerker festgehalten werden, dann streben sie, mit Gewalt auszubrechen, wobei sie Emporhebunegn, auch wohl Emporwerfungen bewerkstelligen.

(aus: „De ortu et causis subterraneorum“. Basel 1546. G. Agricola)




Wir können also sagen, die Erde habe ein triebhaftes Leben, ihr Fleisch sei das Erdreich, ihre Knochen seien die zusammenhängenden Schichten der Gesteine, aus denen sich die Berge zusammensetzen: ihre Knorpel seinen die Tuffsteine, ihr Blut sei die Wasseradern.“

(aus: Codex Leicester, ca. 1508)