2003. Frankfurt. Hessischer Rundfunk. Eis, Metall/Holzkonstruktion, Kugeldurchmesser: 3 Meter, Kühlaggregat, Schläuche

 

 

Eine drei Meter hohe Kugel aus Eis liegt leicht aufgestemmt auf dem Steinboden des Foyers des Hörfunkgebäudes. Mit Reif überzogene Schläuche dringen ins Innere der Kugel und aus ihr heraus. Sie winden sich massig über eine Balustrade und von dort die Treppenstufen zum Untergeschoss hinunter.

 

 

 

 

 

2003. Frankfurt. Hessischer Rundfunk. Eis, Metall/Holzkonstruktion, Kugeldurchmesser: 3 Meter, Kühlaggregat, Schläuche

 

Das Foyer des Hörfunkgebäudes ist merklich abgekühlt. Eine drei Meter hohe Kugel aus Eis liegt leicht aufgestemmt auf dem Steinboden und verändert die Situation und die Atmosphäre: deep freeze. Was im Erdgeschoss den Weg zum Aufzug und zur Treppe einengt, kann vom ersten Stock aus wie von einer Aussichtsplattform betrachtet werden. Man könnte an einen Planeten oder an einen Schneeball denken, der im hr gelandet ist und nun sein eigenes eisiges Mikroklima erzeugt. Mit Reif überzogene Schläuche dringen ins Innere der Kugel und aus ihr heraus. Sie winden sich massig über eine Balustrade und von dort die Treppenstufen zum Untergeschoss hinunter. Das Eis schmiegt sich an die Architektur an und bezieht sie in die Skulptur mit ein. Im Tiefgeschoss formen sie – einer auslaufenden Flüssigkeit gleich – am Boden sich vergrößernde Bögen. Die Zeit scheint eingefroren - der Wasserfall, das Plätschern über die Stufen, die sich verändernde Pfütze am Ende des Ergusses ist gestockt und erinnert nur durch die ornamentale Anordnung der Eisschläuche an den anderen Aggregatzustand des Eises. Denn statt sukzessives Tauen und Wasserpfützen schlagen sich die Luftfeuchtigkeit und der Atem der Betrachter auf der Kugel nieder und bilden ständig neue Eisschichten, so dass die Kugel und ihr „Wasserfall“ in ihrem Umfang langsam aber kontinuierlich wachsen. Dabei verändert sich die Oberflächenstruktur des Eises: was zunächst scharfkantig kristallin und geriffelt ist, wird speckig.

Die mächtige Skulptur in ihrer reduzierten Form ist trotz ihrer Größe und Präsenz fragil und flüchtig: Ein riesiges Kühlaggregat hält die Temperatur unter der Frostgrenze und ist außerhalb des Gebäudes aufgestellt. Die vielen Schläuche sowie ein entferntes Brummen geben Hinweise auf die Art des Unterbaus und den komplexen technischen Aufwand.

Naturphänomene, deren Konstruktion und Dekonstruktion, sind in den vergangenen Jahren immer wieder Thema im künstlerischen Werk von Christine Biehler. Auch im hr ist es nicht die Natur, nicht ein Stück „ewiges Eis“, das hier seinen angestammten Platz zu behaupten versucht. Das Wunder des Eises im Innenraum, das so abhängig ist von der Funktionstüchtigkeit der unterstützenden Technik, kann nur für die begrenzte Zeit der Ausstellung die Betrachter zum Staunen bringen - und doch der Imagination und Phantasie neue, bleibende Räume eröffnen.

(C. Biehler mit Auszügen aus dem Katalogtext von Eva Schmitt)