2001. Rauminstallation. Kunstverein Cuxhaven. Deckendurchbruch, Eis, Laufroste, Silikon, Dampfbefeuchter, Nebelmaschine, Halogenstrahler. Vorraum: Parkbank, Postkartenständer, Abfalleimer, Wandzeichnung

 

Ein ausgehöhlter Eisberg frisst sich weit durch die Decke des nebligen und eisigen Ausstellungsraumes, den der Betrachter über einen Metallsteg betreten kann.

2001. Rauminstallation. Kunstverein Cuxhaven. Deckendurchbruch, Eis, Laufroste, Silikon, Dampfbefeuchter, Nebelmaschine, Halogenstrahler. Vorraum: Parkbank, Postkartenständer, Abfalleimer, Wandzeichnung

 

Der Ausstellungsraum ist spürbar abgekühlt, leichter Nebel hängt in der Luft.

Wer sich auf dem vorgegebenen Weg zur Raummitte in das hell ausgeleuchtete Zentrum der Installation „so hoch da droben“ begibt, kann „nach oben“, durch die Decke in einen durch eine gleißende weiße Aushöhlung vergrößerten Raum blicken. Von diesem teils feucht-glasigen, teils samtig-bereiften Gewölbe scheint die Kälte auszugehen.

Die ansonsten niedrigen Räume des Kunstvereins werden durch den künstlerischen Eingriff als solche thematisiert und praktisch wie ideell erweitert. Eine Eisskulptur ragt weit in das erste Stockwerk hinein und platziert sich so nicht im, sondern oberhalb des Ausstellungsraumes. Unter dem Betrachter entfaltet sich eine großflächige Linienzeichnung, die die Bodenfläche dynamisiert und aufweicht. Aufgebockte Gehroste führen über das „Linienmeer“ hinweg, beidseitig flankiert von zwei hochbeinigen Kästen, aus denen ab und an etwas Dampf tritt.

Der Titel zitiert Lieder aus der Romantik, in denen Naturschönheiten der Heimat gepriesen werden. Er deutet bereits an, dass hier in Ergänzung der sonstigen Kur- und touristischen Aktivitäten Cuxhavens mit dem Material Eis ein Naturschauspiel besonderer Art inszeniert wird. Die erzählerischen Komponenten verbunden mit den starken sinnlichen Eindrücken der Installation lassen es zu, „so hoch da droben“ zum einen als Einladung zu einem Ausflug zu einer Wolken verhangenen Bergspitze oder Wanderung zu einer Höhle zu begreifen; die Linien lesbar als topografische Karte. Zum anderen könnten wir uns auch in einer Polarstation befinden, in der mit zwei Sensoren Messungen durchgeführt werden. Vielleicht ist das Organische, was sich da in die Architektur eingenistet hat, auch ein verlassener Riesenkokon?

 

Der fast leer geräumte Eingangsbereich des Kunstvereins ist der Vorraum „zur Bühne“. Eine Sitzbank, ein Abfalleimer und ein Postkartenständer bezeichnen ihn als Rastplatz oder Talstation. Eine verhaltene Wandzeichnung auf Augenhöhe mit weißem Lack auf weißem Grund - eine Panoramalinie eines Gebirgszugs - ist leicht schimmernd nur bei einem bestimmten Lichteinfall zu erkennen.

„So hoch da droben“ versetzt den Betrachter in einen „Kältedom“. Die Sehnsüchte und Bedürfnisse, die man mit dem Anblick einer „unberührten Natur“ verbindet, werden einerseits verführerisch geweckt und berührt, andererseits ergänzt und korrigiert.

Denn das, was sich anbietet Naturereignis zu sein, Projektionsfläche für unsere Träume von Größe und Erhabenheit - der weiße Gipfel, die Eiswüste - ist ein Ingenieurskonstrukt, bestenfalls künstliche, Neonlicht bestrahlte Kulisse. Christine Biehler zeigt „Natur“ als „Kunst- und Schaustück“, dem man sich in dieser Installation nur auf Laufstegen nähern kann. So ist die Rezeptionssituation selbst auf die Bühne gebracht - „so hoch da droben“ wird zum Modell einer Landschaftsschau.