34 Knoten - Kunstprojekte für Cuxhaven. Jahresprogramm des Cuxhavener Kunstvereins 2013. 

Organisation: Christine Biehler in Kooperation mit dem Cuxhavener Kunstverein

 

Installationen, Performances, Videos und Objekte von

Julius Deutschbauer, Silvia Wienefoet, Justin Carter, Dave Sherry, Allan Giddy, Hannah Brackston, Jen Sykes, Lewis Watson, Rae-Yen Song, Michael Barr und Jennifer Martin, Francisco Montoya Cázarez

 

Unter dem Titel „34 Knoten Kunstprojekte für Cuxhaven“ hat der Cuxhavener Kunstverein es sich für das Jahr 2013 zur Aufgabe gemacht, sein angestammtes Ausstellungshaus zu verlassen und Ausstellungsorte jenseits von für den Kunstbetrieb institutionalisierten Räumen aufzutun. Das, was es zu sehen und zu erleben gilt, wird in den öffentlichen Raum ausgelagert. Vier Kunstprojekte beziehen das städtische Umfeld in ihre Realisationen mit ein und gehen auf die Geschichte oder auf brisante Punkte der Gegenwart in Cuxhaven ein. 

Ganz im Sinne des Projekttitels „34 Knoten“ und dem Vertrauen darauf, dass Kunst neue Schnittstellen der Begegnung schaffen kann, geht es darum, Verknüpfungen herzustellen zwischen künstlerischen Positionen und den Menschen vor Ort – Kunstprojekte für statt nur in Cuxhaven.

 

 



34 Knoten - Kunstprojekte für Cuxhaven. Jahresprogramm des Cuxhavener Kunstvereins 2013. 

Organisation: Christine Biehler in Kooperation mit dem Cuxhavener Kunstverein

 

Ein heftiger Wind ist in Cuxhaven nicht unbekannt. Bei mehr als 34 Knoten wird vom deutschen Wetterdienst eine Sturmwarnung herausgegeben: Aus der angenehmen kräftigen Brise wird eine Windgeschwindigkeit von 60 km/h, die Bäume zum Schwanken bringt. Das ist – im übertragenen Sinne – auch gewollt: Cuxhaven soll 2013 um künstlerische Kommentare reicher werden, die an der einen oder anderen Stelle frischen Wind in die Beschaulichkeit der Küstenstadt bringen.

Unter dem Titel „34 Knoten Kunstprojekte für Cuxhaven“ hat der Cuxhavener Kunstverein es sich für das Jahr 2013 zur Aufgabe gemacht, sein angestammtes Ausstellungshaus zu verlassen und Ausstellungsorte jenseits von für den Kunstbetrieb institutionalisierten Räumen aufzutun. Das, was es zu sehen und zu erleben gilt, wird in den öffentlichen Raum ausgelagert. Vier Kunstprojekte beziehen das städtische Umfeld in ihre Realisationen mit ein und gehen auf die Geschichte oder auf brisante Punkte der Gegenwart in Cuxhaven ein. Die Kunst ist außerhalb des klassischen Ausstellungskontextes erlebbar und es werden mal humorvoll, mal poetisch, mal provokant oder unkonventionell neue Räume im konkreten und übertragenen Sinne eröffnet.

Die Besucher werden durch ein Leitsystem zu den Schauplätzen der Interventionen geführt. Man trifft sich an den durch die Kunst neu geschaffenen Knotenpunkten in der Stadt, die mit großen Logotafeln, einem Knoten auf rotem Grund, markiert sind. Ganz im Sinne des Projekttitels „34 Knoten“ und dem Vertrauen darauf, dass Kunst neue Schnittstellen der Begegnung schaffen kann, geht es darum, Verknüpfungen herzustellen zwischen künstlerischen Positionen und den Menschen vor Ort – Kunstprojekte für statt nur in Cuxhaven.

Nach einer Kunstdemonstration zu Jahresbeginn, in der Kunstvereinsmitglieder und Assoziierte mit Tafeln mit dem Knotenlogo prozessionsartig aus dem Stammhaus des Kunstvereins auszogen und so einen Neubeginn für das Jahr 2013 markierten, betreten die Besucher eine riesige Fischauktionshalle und erleben im eiskalten Ambiente die Auftaktperformance des Wiener Künstlers Julius Deutschbauer (pdf download der Broschüre: 1,2 mB), der die Sparmaßnahmen der Stadt Cuxhaven als Anlass seiner Reflexion über das politische Kalkül in Zeiten des proklamierten Mangels nimmt. Das Signal ‚Die Belange der Stadt sind auch Belange der Kunst’ ist gesetzt.


Fünf blaue Fahnen, die mit gelber Brailleschrift bedruckt sind, markieren zwischen Häusern und am Meer„sehenswerte“ Orte, die von Sehbehinderten ausgewählt sind. Die poetische und leise Arbeit der Münchnerin Silvia Wienefoet befragt die Grenzen unserer Wahrnehmung und rückt Menschen in den Mittelpunkt, die die Welt anders als primär mit dem Sehsinn begreifen. Die Besucher folgen den Landmarken und erfahren ihre Stadt mit neuen Augen.

Im Sommer 2013 sind dann die Künstler Justin Carter, Dave Sherry, Allan Giddy, Hannah Brackston, Jen Sykes, Lewis Watson, Rae-Yen Song, Michael Barr und Jennifer Martin aus dem Umfeld der renommierten Kunsthochschule in Glasgow für mehrere Wochen in Cuxhaven zu Gast, die das Steubenhöft, eine Pier am Amerikahafen, wo Auswanderer im frühen 20. Jahrhundert Europa verließen, mit ihren künstlerischen Einlassungen neu beleben.(Mehr Info unter CLYDE MEETS ELBE)

Francisco Montoya Cázarez, der New York- Stipendiat der Niedersächsischen Sparkassenstiftung und des Ministeriums für Wissenschaft und Kultur schließt mit seiner für Cuxhaven entwickelten Arbeit Ende des Jahres den Kreis. Seine mächtige Dreikanalvideoinstallation über die Fluktuation von Menschen und Warenströmen wird – dem Thema in Inhalt und Form entsprechend – in einer gekachelten Fischverarbeitungshalle gezeigt.

Statt einer Finissage beschließt eine von Christine Biehler künstlerisch gestaltete Tafelrunde (pdf download der Broschüre: 2,7 mB) die jeweilige Ausstellung. Zu dieser weiteren Plattform des Austausches sind Interessierte und die Künstler und Künstlerinnen zum Gespräch und zum gemeinsamen Genießen geladen. Thema und Ort der Tafelrunde orientieren sich an den Inhalten der vorangegangenen Ausstellung. So wird in einem inszenierten Sitzungsambiente mit viel Papier und im moderierten Gespräch über die politisch inspirierte Performance von Julius Deutschbauer diskutiert; im Meer von Kräutergerüchen und mit geladenen blinden Gästen lässt man „Sehenswertes“ von Silvia Wienefoet Revue passieren. An einem Eistisch im Glashaus des Steubenhöfts wurde gleichsam zwischen Meer und Himmel der große Erfolg der Ausstellung „Clyde meets Elbe“ gefeiert und bei Francisco Montoya Cázarez an einer von Migrantinnen gestalteten Tischdecke über Erfahrungen des Fremdseins und dem, was man Heimat nennt, nachgedacht.


Das begleitende Kunstvermittlungsprogramm „Offene Beziehungen“ bot Jung und Alt eine weitere aktive und kommunikative Auseinandersetzung mit dem
Themenschwerpunkt der jeweiligen Ausstellungen an. Auch hier galt es neue Öffentlichkeiten zu gewinnen und mit diversen Partnern aus der Stadt zusammenzuarbeiten.

„34 Knoten“, das ist ein von der Kuratorin und dem Vorstand initiierter Richtungswechsel im Cuxhavener Kunstverein, eine Öffnung in Richtung Stadt, ein Versuch sich neue Öffentlichkeiten zu erschließen und in der Kunst Reflexionsräume für Positionen des gesellschaftlichen Miteinanders zu schaffen. „34 Knoten“ ist auch eine Herausforderung, in der Gegenwinde und ein vermehrter Energieeinsatz bei der organisatorischen und inhaltlichen Arbeit im öffentlichen Raum Teile des Abenteuers sind.

34 knots – art projects for Cuxhaven.Summer 2013, Cuxhaven (Germany)

Dritter Ausstellungszyklus innerhalb des Projektes: Clyde meets Elbe

 

Mehr Bilder in der Broschüre zur Ausstellung: Clyde meets Elbe

Clyde meets Elbe“ ist ein Projekt im Rahmen des Jahresprogramms „34 Knoten Kunstprojekte fürCuxhaven“ des Cuxhavener Kunstvereins. Acht Künstler_innen aus dem Umfeld der Glasgow Schoolof Arts haben auf Einladung der Kuratorin Christine Biehler während eines dreiwöchigen Arbeitsaufenthaltes in Cuxhaven im Zollgang und im Umraum der HAPAG-Hallen Kunstwerke für diesen geschichtsträchtigen Ort er arbeitet. Die Installationen, Aktionen und Objekte , dievom 9.8.2013 bis zum 6.9.2013 ausgestellt wurden, beziehen sich auf die Historie, spielen mit dem Raum, wecken ihn neu zum Leben und formulieren Kommentare zum Cuxhaven von heute.Gemäß des Konzeptes „34 Knoten“ ging es auch bei„Clyde meets Elbe“ um Verknüpfungen und Kommunikation– mit dem Ort und seinen Besuchern, mit den Menschen in Cuxhaven und den Künstler_innen untereinander.

 

A fierce wind is nothing unknown to Cuxhaven. But with 34 knots the signs do indicate a windstorm. Christine Biehler, an artist from Frankfurt, developed as a guest curator the event series for the year 2013, entitled as “34 knots – art projects for Cuxhaven” for the art society of Cuxhaven. From 34 knots (60km/h) onwards the German Weather Service announces gale warnings: the smooth, moderate breeze turns into a gale force that is able to bend down trees. And this was - in a literal meaning – wanted: Cuxhaven should gain artistic comments and contributions that blow up a fresh breeze into this placid seaside town.

The Kunstverein network is well established in Germany. Its work is based only on voluntarily commitment and provides valuable opportunities for artists to exhibit and produce new work. Kunstverein Cuxhaven has been working with artists of National and International standing for over 20 years. In 2013 the art society of Cuxhaven made it their business to find non-institutional exhibition venues which will push the focus and activities of Kunstverein Cuxhaven beyond the confines of the gallery building, towards a more relational approach with people and place – art projects especially for Cuxhaven and not only within Cuxhaven.

34 Knots had developed this approach using a platform of eight simultaneous 1-month residencies. Eight artists from Glasgow had been invited to develop work in response to the harbour “Amerikahafen”, a historically significant shipping terminal for German emigrants during the 20th Century. The site has historical, social and architectural interest and therefore has relevance in terms of how Cuxhaven and its population look forward into the future.
The artists had the full support of the Kunstverein and the town authorities, demonstrated by the provision of accommodation and working spaces on the harbour itself.

The invited artists worked expansively across the domain of sculptural practice, incorporating performance, social engagement, video and object making into their creative output. This broad, process-based approach had provided a good fit for the project as the designated site acted as a starting point for their activity.
The artists have a history of working with these broader social and environmental concerns so the focus was on developing new relationships and integrating more people into the artistic process. The residencies culminated in a presentation of new, sited work in the huge Amerikahafen building. “Clyde meets Elbe” was marked with big logo boards, a knot on red ground.

Next to the artistic interventions a round-table discussion (“Tafelrunde”) was providing visitors, organizers and artists with the opportunity to learn from the experience of working in this way and completed the project with delicate food, thematically arranged.