2011. Rauminstallation. Realisiert im Rahmen des Festivals der Regionen, Attnang Puchheim (AU). 24 Windmaschinen, Licht, Sound

 

Schwere Bühnenvorhänge inszenieren mittels Windmaschinen einen mitreißenden Sturm.

 

Das Festival der Regionen ist eines der bekanntesten und profiliertesten Festivals der zeitgenössischen Künste und Kulturen in Österreich. Seit 1993 findet es alle zwei Jahre an wechselnden Orten und Regionen im Bundesland Oberösterreich außerhalb der städtischen Ballungsräume und kulturellen Zentren statt. Aktuelle ortsspezifische Künste aus allen Sparten werden mit der kulturellen, gesellschaftlichen und geschichtlichen Identität der jeweiligen Region verknüpft und mit internationaler, überregionaler und lokaler Beteiligung zu einem unverwechselbaren Festivalprogramm verdichtet.

2011. Rauminstallation. Realisiert im Rahmen des Festivals der Regionen, Attnang Puchheim (AU). 24 Windmaschinen, Licht, Sound

 

Eine theatrale Installation im alten Kinosaal: Der Bühnenraum ist hell ausgeleuchtet. Menschen oder Objekte stehen indes nicht im Rampenlicht. Akteure sind die Bühnenvorhänge, die durch starke Windmaschinen in Bewegungen versetzt werden. Mal wild reißend, mal sanft schwingend werden sie von starken Luftströmen in alle Richtungen geblasen und folgen einer inszenierten Choreografie. Sie winden, schlagen und wirbeln wie von unsichtbaren Kräften angezogen und abgestoßen in- und auseinander. Die Transformation des „schlafenden“ in einen lebendigen Raum ist inspiriert von der Vorstellung des sich neu aus der Asche emporschwingenden Phönix, dem Wappentier von Attnang-Puchheim.



______________________________________________Luft erlangt als Wind Energie und Geschwindigkeit. Wind bringt Leben und allgemeine Bewegung. „Der Sturm“  arbeitet mit dem Vorgefundenen – rote und braune Bühnenvorhänge in einem großen Kino-, bzw Theatersaal – erzeugt Luftströme und nutzt sie als ephemeres und flüchtiges künstlerisches Material für eine Skulptur im Prozess.Zunächst ist Stille. Dann bewegen sich die Vorhänge in ungewohnter Weise: Ein leichtes Schwingen und ein „Dialog“ von Vorhang“blasen“ zu Beginn, Aufwindungen nach links und nach rechts, heftige arhythmische Aufblähungen auf dem Höhepunkt, um dann am Ende einer Sequenz rasch wieder zur Ruhe zu kommen. Gegenlicht durchbricht die Oberfläche der Stoffe, lässt sie glühen und beseelt sie. Funktionale Bühnenelemente erfahren so eine auratische Aufladung, die Vorhänge scheinen lebendig, fremdartig und doch wohl bekannt, gleichsam surreal. Die Dimensionen, die jenseits der Sichtbarkeit in den Hintergründen der Dinge liegen, werden so akzentuiert.Der Eingriff versetzt den Bühnenraum selbst in Bewegung und macht die Aufführungssituation per se zum Thema. Das Material, das das gespielte vom „wahren“ Leben trennt und somit den Illusionsraum garantiert, bäumt sich auf. Oder: Die Vorhänge scheinen das abzugeben, was sie über viele Jahre aus den Filmen und Aufführungen eingesaugt haben. Ihre Unruhe scheint die Hochs und Tiefs und die wechselnden Emotionen in Dramen und Komödien nachzuvollziehen. Der Titel spielt auf eine solche klassische theatrale Situation an, in dem er den Titel des Dramas von Shakespeare zitiert, wo alles im Sturm beginnt und der Luftgeist Ariel ein Schiff stranden lässt.„Der Sturm“ spielt in einem Saal, in dem sich bemerkenswert originalgetreu eine Innenarchitektur aus den 50er Jahren erhalten hat, auf die nun ebenfalls der Blick gelenkt wird. Licht, das unter den wehenden Vorhängen aus dem Bühnenraum dringt, wandert die Sitzreihen entlang und erleuchtet wie Suchscheinwerfer immer wieder einzelne leere Zuschauersitze. Auch durch den Sound ist der ganze Raum atmosphärisch dicht, manchmal umheimlich, aktiviert und in Szene gesetzt. Die Zuschauer spüren die Luftströme und hören das Rauschen und Dröhnen der Gebläse der Maschinen und das Aneinanderschlagen der schweren Stoffe. Anknüpfend an die als gedrückt empfundene Atmosphäre in Attnang-Puchheim und seiner verhängnisvollen Zerstörung am Ende des zweiten Weltkriegs bringt die Installation frischen Wind in die Sache, bzw, hier: den Ort. Sie knüpft an die Geschichte der Stadt an, ist aber nicht zwingend an sie gebunden.Nach Festivalende verschwindet alles, als wäre nichts gewesen. Vom „Sturm“ bleiben keine Spuren, allenfalls ein Bild und die Erinnerung an Unvertrautes am vertrauten Ort.